Ich stelle das FunkgerĂ€t in unserem Hubschrauber wĂ€hrend unserer RundflĂŒge gerne so ein, dass meine FluggĂ€ste den Flugfunk ĂŒber den Kopfhörer mithören können – fĂŒr die Meisten ist das eine spannende Erfahrung. Wann sonst hat man die Gelegenheit diese Frequenzen, die das normale KĂŒchen-Radio nicht mehr empfangen kann, hautnah mitzuerleben.

 

Trotz Whiskey null Promille

Bei einem Flug wollte ich mit meinen FluggĂ€sten eine sogenannte Kontrollzone von West nach Ost  durchqueren. Eine Kontrollzone ist der kontrollierte Luftraum, der grĂ¶ĂŸere FlughĂ€fen umgibt. FĂŒr alle Flugbewegungen innerhalb dieses Luftraums sind Freigaben erforderlich, die eine rechtzeitige Kommunikation mit dem zustĂ€ndigen Tower erfordern. Vom Tower der Kontrollzone, die ich durchfliegen wollte, erhielt ich schließlich die Anweisung, ĂŒber einen bestimmten Kontrollpunkt im Westen der Kontrollzone einzufliegen. Nach dem Funkspruch fragte mich einer der Passagiere: “Hat der Lotse da grad was mit Whiskey gesagt?” – Gut aufgepasst – ja, das hat er tatsĂ€chlich. Der Wortlaut war “enter control zone via whiskey, crossing approved as requested, report entering CTR” – also auf Deutsch “Fliegen Sie in die Kontrollzone ĂŒber Whiskey ein, Durchfliegen genehmigt wie erwĂŒnscht, melden Sie Einflug in die Kontrollzone”. Das klingt alles sehr vernĂŒnftig – bis auf, naja – den Whiskey! Dabei gilt doch fĂŒr Piloten die 0,00 Promille-Grenze. Ich kann Sie beruhigen – es hat alles seine Richtigkeit und alle Beteiligten bleiben dabei natĂŒrlich auch nĂŒchtern!

Hubschrauber blog Flugvorbereitung

Auf ICAO-Luftfahrtkarten findet man mehrmals das Wort “Whiskey”

 

 

Cleared for Takeoff

Man muss hierzu wissen, dass der Flugfunk gelegentlich sehr undeutlich bzw. schwer zu verstehen ist. Die Rotoren und Motoren dröhnen, der Funkspruch ist verrauscht, manchmal sprechen die FluggĂ€ste und der Lotse gleichzeitig. Die Gefahr, dass wichtige Informationen auf der Strecke bleiben wĂ€re dabei groß, gĂ€be es nicht klare Regeln fĂŒr den Sprechfunk. Vor dem Start an einem kontrollierten Flughafen teilt der Pilot zum Beispiel dem Lotsen seine Abflugbereitschaft mit dem Funkspruch “Ready for departure” – oder auf deutsch “abflugbereit” mit. Der Lotse erteilt die Startfreigabe mit “Cleared for takeoff”. Das Wort “takeoff” wird also ausschließlich im Zusammenhang mit einer Startfreigabe genannt. Lange Zeit war das aber anders geregelt: “Ready for takeoff” und “Cleared for takeoff” konnten zu folgenschweren MissverstĂ€ndnissen fĂŒhren, da das Wort “takeoff” in beiden völlig verschiedenen Sprechgruppen Verwendung fand.

Als die Sprechgruppen noch nicht so klar unterschieden wurden, fĂŒhrte genau ein solches MissverstĂ€ndnis im MĂ€rz 1977 am Flughafen auf Teneriffa zu dem schwersten Unfall der zivilen Luftfahrtgeschichte. Dieser Flugunfall mit zwei großen Passagierflugzeugen geschah, weil einer der Piloten die Startbereitschaft eines anderen Flugzeuges, die damals noch mit “Ready for Takeoff” ĂŒbermittelt wurde, fĂ€lschlicher Weise als Startfreigabe des Towers, also “Cleared for Takeoff” verstanden hatte. Beide Flugzeuge starteten gleichzeitig und es kam zur Kollision. Seit diesem tragischen Unfall ist diese Fehlerquelle aber durch die neuen Sprechgruppen “Ready for departure” und “Cleared for takeoff” ausgerĂ€umt. Die beiden SĂ€tze wurden so unterschiedlich wie möglich gestaltet. Diese Klarheit im Sprechfunk trĂ€gt in einem hohen Maß zur Flugsicherheit bei, sodass sie zusammen mit unbedingt erforderlicher Funkdisziplin fĂŒr einen sicheren Flug sorgt.

Ebendiese Klarheit ist ĂŒber dieses Beispiel hinaus natĂŒrlich auch fĂŒr alle weiteren FunksprĂŒche Ă€ußerst wichtig – daher bedient man sich beim Buchstabieren von Flugzeug- oder Flughafen-Kennungen, Navigationsanlagen oder bestimmten Pflichtmeldepunkten dem sogenannten NATO-Alphabet. So wie wir im Alltag den Buchstaben A mit “Anton” und den Buchstaben B mit “Berta” buchstabieren, gibt es fĂŒr Piloten ein eigenes Alphabet. Die Buchstaben “N” und “M” klingen z.B. sehr Ă€hnlich. “November” und “Mike” lassen hingegen eine klare Unterscheidung zu.

 

Mein Freund Charlie

Sie haben bestimmt von dem berĂŒhmten “Checkpoint Charlie” in Berlin gehört. Wer das NATO-Alphabet nicht kennt, wundert sich, warum die Amerikaner seinerzeit einen ganz normalen Checkpoint ausgerechnet Charlie genannt haben – wer war wohl dieser berĂŒhmte Charlie? Wenn man genauer recherchiert, findet man heraus, dass es mehrere Checkpoints gab, die einfach a la Nato-Alphabet eher einfallslos mit Buchstaben versehen wurden. Es wird deutlich: Charlie ist in diesem Fall keine berĂŒhmte amerikanische oder Berliner Persönlichkeit, sondern steht einfach nur fĂŒr den Buchstaben “C”. Der Checkpoint Charlie erlangte durch vielfĂ€ltige Verwendung als Roman- und Filmschauplatz mehr teils tragische BerĂŒhmtheit als seine Kollegen Alpha und Bravo und bleibt aufgrund der Alliteration wohl auch eher im GedĂ€chtnis. Wer nĂ€heres zu dieser wichtigen SehenswĂŒrdigkeit Berlins wissen möchte, findet mehr auf dieser Wikipedia-Seite.

 

Im Osten auch nichts Neues

Aber zurĂŒck zu unserem Einflug in die Kontrollzone. Sie ahnen es vielleicht schon: Das “W”, das im eingangs beschriebenen Fall fĂŒr einen westlich des Flughafens liegenden Pflichtmeldepunkt steht, wird mit “Whiskey” bezeichnet. Wie heißt dann wohl ein Pflichtmeldepunkt im Osten eines Flugplatzes? Achtung, das ist eine kleine Fangfrage! Die Antwort finden Sie unten :-). Zur Beantwortung des RĂ€tsels oder falls Sie fĂŒr Ihren Rundflug schon einmal ein bisschen das Piloten-ABC ĂŒben wollen, hier die Tabelle mit dem phonetischen Alphabet der NATO:

 

A – Alpha
B – Bravo
C – Charlie
D – Delta
E – Echo
F – Foxtrott
G – Golf
H – Hotel
I – India
J – Juliet
K – Kilo
L – Lima
M – Mike
N – November
O – Oscar
P – Papa
Q – Quebec
R – Romeo
S – Sierra
T – Tango
U – Uniform
V – Victor
W – Whiskey
X – X-Ray
Y – Yankee
Z – Zulu

 

ICAO Karte Muenchen 2011 Hubschrauber blog

Ausschnitt aus einer ICAO Luftraum-Karte von 2011

 

Lösung zu der kleinen Fangfrage: Der Pflichtmeldepunkt im Osten eines Flugplatzes wird nicht mit “Oscar” fĂŒr “O” wie “Osten” bezeichnet, sondern in der Regel mit “Echo”. Das “E” steht dabei fĂŒr das englische Wort fĂŒr Osten, also “East”. Schauen Sie sich dazu doch mal zur Veranschaulichung den Ausschnitt aus der Luftraum-Karte an.